Published on :
März 27, 2026
By :
Karin Seibl
Besser schlafen – was Sie selbst tun können und wie Neurofeedback dabei hilft

Schlafstörungen sind weitverbreitet. Die einen neigen dazu, abends nur schwer zur Ruhe zu kommen und können aufgrund innerer Anspannung nur nach längerem Wachliegen einschlafen, andere finden zwar problemlos in den Schlaf, wachen aber nachts zu Unzeiten auf. Wieder andere leiden grundsätzlich unter einer schlechten Schlafqualität und wachen morgens gerädert auf
Gelegentlich passiert das wahrscheinlich den meisten von uns, besonders in Zeiten von hohem Stress. Wenn es sich anschliessend wieder von selbst einpendelt, ist das auch nicht weiter bedenklich. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Schlafprobleme chronisch werden. Wenn sich schlechter Schlaf über Wochen oder Monate zieht, verändert sich oft das ganze System. Der Körper wird empfindlicher, der Geist unruhiger, Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnis schwächeln, die Stimmung sinkt in den Keller und irgendwann entsteht ein Kreislauf, aus dem Betroffene nur schwer wieder herausfindet.
Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, sind Sie damit nicht allein. Schlafstörungen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen in der Schweiz. Rund ein Drittel der Bevölkerung soll unter Schlafproblemen leiden. Und meist wird schlechter Schlaf oft lange hingenommen oder mit Medikamenten behandelt, die die eigentliche Ursache nicht wirklich angehen und im schlimmsten Fall zu Abhängigkeit führt.
Warum schlafen wir schlecht? Ein Blick ins Nervensystem
Im wachen, fokussierten Zustand dominieren sogenannte Beta-Wellen. Schliess man die Augen und beginnt sich zu entspannen, nehmen die Alpha-Wellen zu, während Beta abnimmt.
In der Einschlafphase werden die Theta-Wellen stärker, es können bereits traumähnliche Bilder auftauchen. Die Aussenwelt verblasst langsam.
In der nächsten Phase, dem Leichtschlaf, bleibt Theta dominant, es treten nun aber die sogenannten Schlafspindeln auf, die den Organismus vor dem Aufwachen schützen.
Im Tiefschlafstadium ist Delta das definierende Merkmal.
Die REM-Phase, die Traumphase, ähnelt der Wachphase. Das EEG zeigt eine Mischung aus Alpha-, Beta-, Theta- und Delta-Wellen. Auch der Energieverbrauch des Gehirns ist dem des wachen Gehirns ähnlich (im von Delta dominierten Tiefschlaf ist der Energieverbrauch deutlich verringert).
Bei Menschen mit chronischen Schlafstörungen sind diese Übergänge von einem Schlafstadium zum anderen oft gestört. Das Gehirn bleibt im Beta-Modus hängen, die langsamen Wellen wie Alpha, Theta und Delta sind unterrepräsentiert. Man nennt diesen überaktivierten Zustand auch Hyperarousal Auch wenn der Körper müde ist, liegen Betroffene wach im Bett, sie sind erschöpft, aber Ihr Gehirn läuft auf Hochtouren.
Stress, belastende Lebensphasen oder traumatische Erfahrungen können dieses Muster verstärken. Und je länger es anhält, desto mehr verfestigt es sich, das Gehirn «lernt» gewissermassen, schlecht zu schlafen. Und die Angst vor der Schlaflosigkeit feuert die Übererregung zusätzlich an.
Ein paar Möglichkeiten, was Sie selbst für besseren Schlaf tun können
Bevor ich über Neurofeedback spreche, möchte ich Ihnen einige Ansätze vorstellen, die nachweislich wirken und die Sie ab heute umsetzen können. Diese Massnahmen sind keine Binsenweisheiten, sondern basieren auf aktuellen Erkenntnissen der Schlafforschung.
Das Schlaffenster: Gehen Sie zur richtigen Zeit ins Bett
Unser Körper produziert Melatonin in einem vorhersehbaren Rhythmus. Wenn Sie dieses Zeitfenster verpassen, wenn Sie zum Beispiel «zum Runterkommen» noch eine Stunde am Handy verbringen, kann es sein, dass Sie die nächste Einschlafwelle erst 90 Minuten später erreichen. Ein regelmässiger Zeitpunkt, zu dem Sie sich hinlegen, hilft Ihrem Körper, den richtigen Rhythmus zu finden.
Licht als Taktgeber: Morgens hell, abends dunkel
Tageslicht in den ersten 30 Minuten nach dem Aufwachen stabilisiert Ihren circadianen Rhythmus. Gleichzeitig hemmt Bildschirmlicht am Abend die Melatonin-Ausschüttung messbar. Die Forschungsgruppe um Charles Czeisler an der Harvard Medical School hat gezeigt, dass zwei Stunden Tablet-Nutzung vor dem Schlafen das Einschlafen um durchschnittlich 10 Minuten verzögern und den REM-Schlaf verkürzen („Evening use of light-emitting eReaders negatively affects sleep, circadian timing, and next-morning alertness“, 2014 veröffentlich in PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences) ).
Es empfiehlt sich, morgens 15–20 Minuten ans Tageslicht zu gehen (auch bei bewölktem Himmel reicht das). Falls das nicht möglich ist, gibt es Tageslichtlampen. Abends vor dem Schlafengehen Bildschirme dimmen oder einen Blaulichtfilter nutzen hilft bei der Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin.
Die 4-6-Atemtechnik: Aktivieren des Parasympathikus
Diese Atemtechnik setze ich auch im Biofeedback ein. Zählen Sie beim Einatmen auf 4, beim Ausatmen auf 6. Wenn Sie möchten und es sich für Sie gut anfühlt, können Sie zwischen Ein-und Ausatmen auch eine kurze Pause machen.
Das verlängerte Ausatmen aktiviert den Parasympathikus und synchronisiert Atmung und Herzfrequenz. Dabei wird die körperliche Erregung gesenkt. Vor dem Einschlafen oder falls Sie nachts aufwachen, beruhigt diese Übung das Nervensystem (und auch tagsüber lassen sich kleine Übungseinheiten immer und überall umsetzen).
Gedanken aufschreiben: Das Gehirn entlasten
Viele meiner Klient:innen berichten von immer wiederkehrenden, sich im Kreise drehenden Gedanken, vor allem nachts. Wenn äussere Ablenkung fehlt, neigt das Gehirn dazu, sich mit sich selbst zu beschäftigen und dies führt oft zu keinen besonders kreativen Lösungen.
Eine Möglichkeit, sich ein wenig zu entlasten, ist Schreiben. Vor dem Schlafengehen notieren, was Sie beschäftigt, kann hilfreich sein.
Eine (kleine) Studie der Baylor University («Can Writing Your «To-Do`s», erschienen im Journal of Expeimental Psychology 2018) hat gezeigt, dass insbesondere das Aufschreiben von To-dos für den nächsten Tag die Einschlafzeit deutlich verkürzt.
Körpertemperatur nutzen: Der 90-Minuten-Trick
Zum Einschlafen muss unsere Kerntemperatur leicht sinken. Ein warmes Bad oder eine warme Dusche etwa 90 Minuten vor dem Schlafengehen bewirkt genau das. Der Körper erwärmt sich und die anschliessende Abkühlung signalisiert dem Gehirn, dass es Zeit zum Schlafen ist. Eine Meta-Analyse der University of Texas hat diesen Effekt bestätigt,Einschlafzeit und Schlafqualität verbesserten sich messbar («The effects of water-based passive body heating on sleep quality: A systematic review and meta-analysis» erschienen in Sleep Medicine Reviews, 2019).
Wenn diese Massnahmen allein nicht reichen
Die obige Liste ist nicht vollständig. Und vielleicht versuchen Sie schon mit anderen Methoden, Ihren Schlaf zu verbessern. Aber oft reichen diese Massnahmen nicht aus. Zu grosser Stress, Trauma, Angst, Depressionen, Hormonstörungen oder Konditionierung verhindern einen nährenden Schlaf.
In diesen Fällen liegt das Problem oft nicht an den äusseren Bedingungen, sondern an der Art, wie das Gehirn reguliert. Und genau hier kann Neurofeedback ansetzen. Ich möchte aber betonen, dass eine medizinische Abklärung ein wichtiger erster Schritt ist.
Wie Neurofeedback bei Schlafstörungen wirkt
Neurofeedback ist ein computergestütztes Training, bei dem die Gehirnaktivität in Echtzeit gemessen und zurückgemeldet wird. Bildlich gesprochen bekommt Ihr Gehirn einen Spiegel vorgehalten und lernt dadurch, ungünstige Aktivitätsmuster zu verändern.
Bei Schlafstörungen zeigt sich häufig ein charakteristisches Muster: erhöhte Beta-Aktivität (die «Wach-Frequenz») in Momenten, in denen das Gehirn eigentlich herunterfahren sollte. Neurofeedback trainiert gezielt die Fähigkeit, sich besser zu regulieren und somit auch die Fähigkeit, in für den Schlaf notwendige langsamere Wellen zu wechseln.
Wie läuft das konkret ab? Sie sitzen entspannt in einem bequemen Stuhl. An wenigen Stellen am Kopf werden Sensoren angebracht, das ist schmerzfrei und nicht-invasiv. Auf einem Bildschirm sehen Sie eine Animation oder einen Film, die sich verändern, je nachdem, was Ihr Gehirn gerade tut.
Das Gehirn erkennt diese Rückmeldung und beginnt über mehrere Sitzungen hinweg die gewünschten Muster zu verstärken. Dieser Lernprozess nutzt die Neuroplastizität, das heisst die Fähigkeit des Gehirns, neue neuronale Verbindungen zu bilden und bestehende Muster umzustrukturieren. Diese Fähigkeit bleibt bis ins hohe Alter erhalten.
Was sagt die Forschung?
Neurofeedback bei Schlafstörungen ist kein neues Gebiet. Die Forschung zeigt ermutigende Ergebnisse, auch wenn weitere Studien mit grösseren Fallzahlen wünschenswert wären:
- Für bestimmte Frequenzbereiche, insbesondere das Training des sensorimotorischen Rhythmus (SMR, 12–15 Hz), liegen kontrollierte Studien vor. Eine Pilotstudie von Cortoos et al. (2010) zeigte, dass SMR‑Neurofeedback die Einschlaflatenz verkürzen und die subjektive Schlafqualität verbessern kann. Auch Arbeitsgruppen um Schabus und Hoedlmoser fanden Hinweise darauf, dass gezieltes SMR‑Training die Schlafspindel‑Aktivität erhöht, ein neurophysiologischer Marker für stabilen, erholsamen Schlaf.
-Für Infra‑Low‑Frequency‑Neurofeedback (ILF), das auch in meiner Praxis zum Einsatz kommt, wächst die Evidenzlage kontinuierlich. Klinische Beobachtungsstudien berichten von Verbesserungen bei Schlaf, innerer Unruhe und der autonomen Regulation. Diese Ergebnisse sind vielversprechend, auch wenn größere randomisierte Studien hier noch ausstehen.
Insgesamt deutet die aktuelle Forschung darauf hin, dass Neurofeedback die Schlafregulation unterstützen kann. ILF‑Neurofeedback zeigt in der Praxis ebenfalls konsistente Effekte.
Wichtig für die Einordnung: Neurofeedback ist eine Trainingsmethode, keine Heilbehandlung im medizinischen Sinne. Die Ergebnisse variieren individuell, und eine sorgfältige Anamnese ist Voraussetzung für ein sinnvolles Training.
Selbsthilfe und Neurofeedback: Wie beides zusammenwirkt
In meiner Praxis erlebe ich die besten Ergebnisse, wenn beides zusammenkommt, die eigenen Gewohnheiten und die Bereitschaft, diese zu ändern und das gezielte Training. Die Schlafhygiene schafft die richtigen Rahmenbedingungen, Neurofeedback hilft dem Gehirn, diese Bedingungen auch tatsächlich zu nutzen.
Ablauf und realistische Erwartungen
Ein Neurofeedback-Training bei Schlafstörungen umfasst in der Regel 20–25 Sitzungen. Die ersten 10-15 Sitzungen finden idealerweise ein- bis zweimal pro Woche statt. Später lassen sich die Abstände auch vergrössern.
Erste Veränderungen berichten viele Klientinnen und Klienten nach 5–8 Sitzungen: ruhigeres Einschlafen, weniger nächtliches Aufwachen, ein Gefühl von tieferem Schlaf. Manchmal zeigt sich die Wirkung zuerst tagsüber – als mehr Gelassenheit, bessere Konzentration oder weniger Reizbarkeit.
Neurofeedback ist ein Trainingsprozess, kein Schalter, den man umlegt wie das bei einer Tablette der Fall ist. Das Gehirn braucht Wiederholung, um neue Muster stabil zu verankern. Aber wenn die Veränderung eintritt, ist sie meist nachhaltig, weil es sich um eine echte physiologische Anpassung handelt und nicht um einen vorübergehenden Effekt.
Wann sind Neurofeedback und Biofeedback der richtige Ansatz?
Gut geeignet ist Neurofeedback bei Schlafstörungen, die mit Stress, erhöhter innerer Anspannung, Angst oder traumatischen Belastungen zusammenhängen. Auch bei chronischer Insomnie, bei der keine organische Ursache gefunden wurde, zeigen sich in der Praxis gute Ergebnisse.
Als Ergänzung dient Neurofeedback bei Schlafstörungen, die eine körperliche Ursache haben, etwa Schlafapnoe oder schilddrüsenbedingte und hormonelle Störungen. In diesen Fällen empfehle ich zunächst eine ärztliche Abklärung. Neurofeedback kann da als weitere Massnahme eingesetzt werden.
Wenn neben den Schlafstörungen auch andere Themen eine Rolle spielen wie Angst, Depression oder Burnout, kombiniere ich Neurofeedback häufig mit Biofeedback für die körperliche Stressregulation.
Kosten und Versicherung
Neurofeedback ist über ASCA und EMR als komplementärmedizinische Methode anerkannt. Viele Zusatzversicherungen beteiligen sich an den Kosten. Bitte klären Sie vor der ersten Sitzung mit Ihrer Krankenkasse, ob und in welchem Umfang eine Kostenübernahme möglich ist. Alle Details finden Sie unter Therapieablauf & Preise.
Zusammenfassung: Ihr Weg zu besserem Schlaf
Schlafstörungen sind kein Schicksal. Vieles können Sie selbst beeinflussen und es lohnt sich meiner Meinung nach mit den einfachen Dingen zu beginnen. Wenn diese (regelmässige Schlafenszeiten, Licht bewusst einsetzen, Atemtechniken, abends auf Alkohol und schweres Essen verzichten) allein nicht ausreichen, kann Neurofeedback eine sinnvolle Massnahme sein.
Der erste Schritt ist oft der wichtigste. Ob das heute die 4-6-Atemtechnik ist oder ein unverbindliches Erstgespräch per Telefon, beides bringt Sie weiter.
Wenn Sie Fragen haben, finden Sie viele Antworten in meinen FAQ. Und natürlich können Sie mich jederzeit kontaktieren.
Herzlich, Karin Seibl
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